Reisewarnung für Bayern | law blog

Im Ergebnis reicht für die – zeitlich nach hinten nicht limitierte – Haft, dass eine „drohende Gefahr“ durch den Betroffenen angenommen wird. Eine drohende Gefahr ist deutlich weniger als eine konkrete Gefahr, wie sie bisher üblicherweise im Polizeirecht für präventives Einschreiten der Polizei verlangt wird. Das Gesetz gilt keineswegs nur für Menschen, die Terroranschläge planen. Im Prinzip kann wegen jeder „Gefahr“ Präventivhaft verhängt werden.

Diese Regelung ist ein weiterer Tiefschlag für den Rechtsstaat, das stellt völlig zu Recht etwa Heribert Prantl in der SZ fest. Das Gesetz ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, schon gar nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte weist – nur zum Beispiel – in seinen Urteilen zur deutschen Sicherungsverwahrung immer wieder darauf hin, dass eine Freiheitsentziehung regelmäßig eine „Strafe“ ist, egal welche schönen anderen, möglichst harmlos klingenden Namen man sich dafür ausdenkt. […]

Schon eine zweiwöchige Präventivhaft ging an die Grenzen dessen, was gemäß der Menschenrechtskonvention außerhalb Bayerns noch als diskussionfähig angesehen wird – und auch das nur bei einer konkreten, nicht nur einer „drohenden“ Gefahr.

Es ist richtig, Länder wie die Türkei, Ungarn, Russland und den Iran zu kritisieren. Schlauer wäre es allerdings, nicht gleichzeitig selbst deren Weg einzuschlagen.

Source: law blog

Seit ich bei #G20 war, habe ich Angst | Metronaut.de

Seit mehreren Jahren berichte ich von Demonstrationen und politischen Ereignissen. Sowohl mit Fotos, als auch mit Texten. Ich habe Demonstrationen von Linksradikalen und Neonazis begleitet, war auf der Balkanroute und an der syrischen Grenze unterwegs, war bei Blockaden dabei und hab die Proteste in Tagebauten dokumentiert. Aber ich habe mich noch nie so unwohl im Nachgang meiner Arbeit gefühlt, wie jetzt nach den G20-Protesten. Und das liegt nicht vordergründig an den Aktionen militanter Gewalttäter im Schanzenviertel.

Es macht mir Angst, wie sich die Polizei während der Proteste verhalten hat. Sie hat den Rechtsstaat gebeugt und verdreht, wie es ihr passte. Sie hat eine 38 Quadratkilometer große Zone innerhalb einer deutschen Großstadt ausgerufen, in der sich nicht versammelt werden durfte, um gegen ein höchst problematisches Treffen zu demonstrieren. Sie hat Journalist*innen permanent eingeschüchtert und angegriffen – ich selbst habe am Freitag abend einen Schmerzschlag von einem sächsischen Polizisten auf das Ohr bekommen. Zum Glück hatte ich das einigermaßen geschützt. Andere Kollegen wurden mit Pfefferspray, Tritten und Schlagstöcken malträtiert. Polizeikräfte haben auch Demonstrationen und zivilen Ungehorsam mit äußerster Brutalität angegriffen. Wie im Wahn, als ob sie alles plattmachen müssten, was nicht nach bürgerlicher Gehdemo aussieht. Egal, ob es sich um gewaltfreie Blockaden oder um eine friedliche Tanzkundgebung handelte.

Source: Metronaut.de

Überall dieses Misstrauen | law blog

Die neue NRW-Landesregierung schafft die Kennzeichnungspflicht für Polizisten wieder ab, die es erst seit Ende des letzten Jahres gibt. […]

Abgesehen davon ist es natürlich höchst lobenswert, wenn die neue Landesregierung dieses ständige Misstrauen thematisiert, das in unserer Gesellschaft mittlerweile herrscht. Sie könnte sich auch mal dem staatlichen Misstrauen widmen, das jedem Bürger Tag für Tag entgegenschlägt. Zum Beispiel wenn seine Verbindungsdaten nach derzeit geltendem Recht auf Vorrat gespeichert werden, wenn er künftig zur DNA-Abgabe gezwungen wird, um damit Verwandte zu belasten. Oder wenn bald mit staatlicher Schnüffel-Schadsoftware Festplatten und Mobiltelefone von jedem von uns ausgespäht werden dürfen, und das ohne großartige Eingriffsvoraussetzungen.

Man könnte auch mal die vor wenigen Wochen in Kraft getretene Gewinnabschöpfung in der Strafprozessordnung hinterfragen, welche die Unschuldsvermutung komplett außer Kraft setzt. Und nicht zuletzt die drastisch verschärften Regeln für „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“, die fast schon jedes Wortgefecht mit Polizeibeamten zum Fall für den Staatsanwalt machen.

Source: law blog

Moin, Frau Liane Bednarz | Schrottpresse

Muß ich mich mit so einem hanebüchenen Unsinn erst solidarisieren, um mich anschließend davon distanzieren zu können?

Einen Teufel werde ich tun! Denn solcherlei Arten von Dummheit sind durch das verbriefte Recht der freien Meinungsäußerung gedeckt. Klingt erst mal komisch, ist aber so. Ich kann sie ignorieren, doof finden, darüber lachen, aber mich ausdrücklich davon distanzieren muß ich mich in keinem Falle. Man kann sich nur von etwas distanzieren, mit dem man sich vorher solidarisiert hat. Ein tiefgläubiger Mensch ist mitnichten durch seine Religionszugehörigkeit für Bischoff Tebartz-van Elst oder dem Kindesmißbrauch bei den Regensburger Domspatzen verantwortlich, muß sich ergo nicht explizit davon distanzieren.

Source: Schrottpresse

A despot in disguise: one man’s mission to rip up democracy | George Monbiot | Opinion | The Guardian

How corporate dark money is taking power on both sides of the Atlantic

It’s the missing chapter: a key to understanding the politics of the past half century. To read Nancy MacLean’s new book, Democracy in Chains: The Deep History of the Radical Right’s Stealth Plan for America, is to see what was previously invisible.

The history professor’s work on the subject began by accident. In 2013 she stumbled across a deserted clapboard house on the campus of George Mason University in Virginia. It was stuffed with the unsorted archives of a man who had died that year whose name is probably unfamiliar to you: James McGill Buchanan. She says the first thing she picked up was a stack of confidential letters concerning millions of dollars transferred to the university by the billionaire Charles Koch.

Her discoveries in that house of horrors reveal how Buchanan, in collaboration with business tycoons and the institutes they founded, developed a hidden programme for suppressing democracy on behalf of the very rich. The programme is now reshaping politics, and not just in the US.

Source: George Monbiot | Opinion | The Guardian

Auf den Weg in den totalitären Kapitalismus – Baums Notizen aus der Unterwelt.

Im Guardian findet sich heute ein Essay über den potentiellen Totalitarismus des Kapitals (it is on its way). Die Ereignisse in Hamburg anläßlich von G 20 kann man als eine Übung verstehen, als den Willen der Tonangebenden sich durchzusetzen: gegen gerichtliche Entscheidungen, gegen Gesetze, Grundrechte, letztlich gegen die Demokratie. Hamburg war ein entscheidender Schritt in Richtung „Democracy In Chains„.

Source: Baums Notizen aus der Unterwelt.

Bifo: “I am no longer a European given Europe’s daily crimes” & “thus I resign from DiEM25”. And my response – Yanis Varoufakis

LETTER FROM FRANCO ‘BIFO’ BERARDI TO YANIS VAROUFAKIS & DiEM25

Dear Yanis, dear friends and comrades of the Democracy in Europe Movement 25,After the shameful decisions of the Paris meeting of Minniti Collomb de Maziere it’s time to understand that there is something flawed in our project of re-establishing democracy in Europe: this possibility does not exist.Democratic Europe is an oxymoron, as Europe is the heart of financial dictatorship in the world. Peaceful Europe is an oxymoron, as Europe is the core of war, racism and aggressiveness. We have trusted that Europe could overcome its history of violence, but now it’s time to acknowledge the truth:Europe is nothing but nationalism, colonialism, capitalism and fascism.

During the Second World War not many protested against deportation, segregation, torture and extermination of Jews, Roma, communist militants and homosexuals. People had no information about the extermination. Now we are daily acquainted about what is happening all around the Mediterranean basin, we know how deadly is the effect of the European neglect and of the refusal to take responsibility for the migration wave that is a direct result of the wars provoked by two centuries of colonialism.

The Archipelago of Infamy is spreading all around the Mediterranean Sea.

Europeans are building concentration camps on their own territory, and they pay their Gauleiter of Turkey, Libya, Egypt and Israeli to do the dirty job on the coast of the Mediterranean Sea, where salted water has replaced ZyklonB.

To stop the migratory Euro-Nazism is going to build enormous extermination camps. The non-governmental organisations guilty of rescuing people from the sea will be contained, downsized, criminalised, repressed.

The externalisation of the European borders means extermination.Extermination is the word that defines the historical mission of Europe.

Nazism is the only political form that corresponds to the soul of the European people.In the last twenty-five years (since when, in February 1991, a ship loaded with 26.000 Albanians entered the port of Brindisi) we have known that the great migration had began. Two paths were possible at that point.Opening its borders, starting a global distribution of resources, investing its wealth in a long lasting process of reception and integration of young people coming massively from the sea. This was the first path.

The second was to reject, to dissuade, to make almost impossible the easy journey from Northern Africa to the coasts of Spain Italy and Greece.Europeans have chosen the second way, and they are daily drowning uncountable children and women and men.

Auschwitz on the beach.

With the exception of a minority of doctors, voluntary workers, activists and fishers, who now are accused of being the abetters of illegal migrants, the majority of the European population are refusing to deal with their own historical responsibility.

Therefore, I declare that I’m not European anymore. And I declare that I have never been European.

We have naively expected that an alliance of British murderers, French killers, Italian stranglers, he German slaughterers and Spanish slayers could give birth to a democratic peaceful friendly union. This pretence is over, and I’m sick of it.

Five centuries of colonialism, capitalism and nationalism have turned Europeans into the enemy of the human kind. May they be cursed forever! May Europeans be swept away by the storm they have generated, by the weapons they are building, by the fire they have ignited, by the hatred they have cultivated!

Because of the aforementioned reasons I must renounce the honour of being part of the Advisory Panel of DIEM25.

YANIS VAROUFAKIS’ REPLY

Dear Franco ‘Bifo’ Berardi, dear friend, dear comrade,

Hannah Arendt once said that as long as one German died at Auschwitz because of her or his opposition to Nazism, the Germans are not responsible collectively for Nazism.

Your letter to us, renouncing the horrors perpetrated in Europe’s name and resigning from our Democracy in Europe Movement (DiEM25) in protest, offers Europeans the same kind of possibility of redemption that Arendt’s ‘single-German-dying-in-Auschwitz’ offered the people of Germany.

You wrote a splendid and timely “J’ accuse” letter to Europeans as a true, unreconstructed, fed-up, European. And in so doing you offered Europe a small, tiny but important chance to save its soul.

It is very likely, as you fear, that Europe will throw that chance away; that Europeans will fail to exploit the minuscule chance that you offered. But it does not matter.

What matters is, first, that you, an authentic European, are putting Europe on the dock while, at once, offering it a precious chance of redemption. Only a true European radical, democrat and humanist could do that.

Secondly, it matters that there are many others like you. And that DiEM25, on whose Advisory Panel you have served, and from which you are now resigning in a bid to shake up our collective and individual consciences, is full of Europeans like you.

  • Europeans who, like you, are mad as hell with our Europe, as it is and as it acts.
  • Europeans who, nevertheless, realise that to shed their ‘European’ label in disgust at what Europe is doing to its citizens and to the citizens of the rest of the world requires also declaring that they are no longer Italian, French, British, Greek, Italian… since it is the nation-states of Europe that perpetrate, in the first instance, the scandalous policies that you so powerfully, and rightly, denounce.
  • Europeans who, mad as we are at Europe’s crimes, understand that renouncing Europe but not Italy, France, Greece, Germany, Britain etc. only plays into the hands of those propagating the fantasy of returning to the bosom of our benevolent nation-states; a fantasy that I know you abhor and one that DiEM25 is railing against.
  • Europeans who, enraged by what is being perpetrated in their name, are determined to demonstrate that the only way of being good citizens of the world is to be IN and AGAINST this

This is the reason we, at DiEM25, are proud of you and your “J’ accuse” letter of resignation from our Advisory Panel.

And it is the reason we do not accept it!

Source: Bifo: “I am no longer a European given Europe’s daily crimes” & “thus I resign from DiEM25”. And my response – Yanis Varoufakis